Avocadostore testet RePack für weniger Verpackungsmüll im Online-Handel

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Rund 800.000 Tonnen Versandverpackungen verbraucht der Online-Handel in Deutschland jährlich. Das Hamburger Institut für Ökologie und Politik, kurz: Ökopol, hat, unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Projekt praxPack auf die Bahn gebracht, das eine Alternative für den Versand bietet. In diesem Rahmen wird RePack als Mehrwegverpackungssystem ab August von Avocadostore, Tchibo und Otto getestet.

Online-Handel muss dringend Einzelverpackungen ersetzen

„Wenn es im Handel so weitergeht, knacken wir in vier Jahren die Eine-Million-Tonnen-Marke für Versandverpackungsmüll“, sagt Lisa Rödig von Ökopol. „Eine Lösung, um diesen Ressourcenverbrauch einzudämmen, ist, die Einweg- mit Mehrwegverpackungen im Online-Handel zu ersetzen.“ Bereits im Juli 2019 hatte das Projekt praxPack begonnen und nun startet – Corona-bedingt etwas verspätet – der Praxistext, an dem neben Otto und Tchibo auch Avocadostore beteiligt ist. Zunächst wird das RePack-System lanciert. Die Mehrwegversandtaschen sind aus recyceltem Kunststoff und können rund 20 Mal in Umlauf gebracht werden. Im Fokus der Forschungsreihe stehen auch die Kund*innen, denn die sind gefragt, um die Kernidee umzusetzen: Die auf Briefgröße zusammenfaltbaren Verpackungen sollen wieder an den Online-Handel zurückgeschickt werden. Darüber hinaus werden Rentabilität, Praktikabilität und Logistik von RePack hinterfragt.

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Mimi Sewalski, Geschäftsführerin von Avocadostore, sieht das Projekt auch als Gelegenheit, Erfahrungen mit RePack an die Labels weitergeben zu können. Foto: Presse

Ökopol hat bewusst sehr unterschiedliche Online-Shops als Partner ausgewählt, um valide Ergebnisse zu generieren. Während viele bei Avocadostore vertretene Marken ohnehin schon Verpackungen aus recycelten Materialien, teilweise plastikfrei, verwenden und die Kund*innen der Green Community zuzurechnen sind, sprechen Otto und Tchibo eine ganz andere Gruppe von Verbraucher*innen an. „Unsere Kund*innen, die besonders bewusst und kritisch sind, was Nachhaltigkeit angeht, werden uns sicherlich sehr viel Feedback zu diesem Piloten geben. Davon wird das praxPack-Forschungsprojekt profitieren“, so Mimi Sewalski, Geschäftsführerin von Avocadostore. Auch Tchibo bemüht sich nachhaltige Aspekte umzusetzen und die bisherigen Versandtaschen sind bereits zu mindestens 80 Prozent aus recyceltem Material. Ab Ende August werden ungefähr 7.500 Einwegversandtüten nun durch die RePack-Taschen ersetzt. Besonders gespannt ist man bei Tchibo auf die Akzeptanz der Kund*innen. Bei Otto wiederum ist eine grundlegende Frage, wie der Logistikpartner Hermes die alternativen Versandtaschen integriert.

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Ressourcenschonung durch Mehrwegsysteme

Konkrete Ergebnisse werden Anfang 2022 erwartet. Till Zimmermann von Ökopol erklärt: „Ziel ist, bis zum Projektende umfangreiche Erkenntnisse zu generieren, wie Mehrwegsysteme gestaltet sein müssen, damit sie praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig sind, und welche branchenspezifischen und politischen Rahmenbedingungen hierbei unterstützen können. Avocadostore, Otto und Tchibo leisten dabei als Vorreiter der Branche einen wertvollen Beitrag für die Etablierung von Mehrwegsystemen im Online-Handel und zur Ressourcenschonung.“
Hinsichtlich Meldungen wie von Zalando, deren Umsatz im zweiten Quartal um rund 27 Prozent gewachsen ist, kann man nur hoffen, dass sich Alternativen zu den gängigen Versandverpackungen finden und durchsetzen. Denn wenn auch ein großer Teil des Online-Handel-Booms – zumindest für 2020 – auf Corona zurückzuführen ist, ist das Wachstum im E-Commerce wohl kaum aufzuhalten.