10 Fragen an Pier Paolo Righi, CEO Karl Lagerfeld

Pier Paolo Righi
Karl Lagerfeld CEO Pier Paolo Righi auf der Pitti im Januar dieses Jahres.

Pier Paolo Righi ist seit 2011 CEO von Karl Lagerfeld. Im J’N’C-Interview spricht er über Karls Erbe, das Wachstum im Wholesale, kreative Kollaborationen, die Zusammenarbeit mit Puma und die Bedeutung von Carine Roitfeld für die Marke.

Herr Righi, es ist beinahe ein Jahr her, dass Karl Lagerfeld verstorben ist. Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Sie davon erfuhren?
Ich kann mich sehr genau erinnern. Ich war gerade in München auf dem Weg zum Flughafen, Richtung Kapstadt, und bin dann gleich umgekehrt. Obwohl ich natürlich gesehen hatte, dass es Karl in den Wochen zuvor zunehmend schlechter ging, war es dann schon ein großer Schock, weil wir uns nach fast zehn Jahren enger Zusammenarbeit eben auch persönlich sehr nahestanden. Aber ganz in Karls Sinne und dem Bewusstsein, dass wir von nun an das einzige Fashion Haus sein würden, das seinen Namen an der Tür trägt, haben wir uns unmittelbar auf das Nachvorne konzentriert, genau wie sich das Karl gewünscht hätte.

Trotz aller Trauer, die Marke stand im vergangenen Jahr keinen Moment lang still und hat ein enorm lebendiges und progressives Bild abgegeben. Wie lief 2019 insgesamt für das Label Karl Lagerfeld?
In der Tat haben wir in den letzten Jahren eine unwahrscheinliche Energie und damit auch Wachstum freisetzen können. Wir sind in den letzten fünf Jahren durchschnittlich jedes Jahr ca. 30 Prozent gewachsen, so auch im vergangenen Jahr. Wenn man so will, haben wir zusammen mit Karl einen kreativen Prozess und ein Team aufgestellt, bei dem – ähnlich wie bei einer Netflix-Serie – kontinuierlich neue Episoden um Karls Welt herum produziert werden. Da sind häufig auch externe Ideengeber wie Street Artists und Kreativteams aus anderen Industrien dabei, sowie Friends of Karl, die sich in Karls kreativem Kosmos bereits seit vielen Jahren bewegen. Durch diese Art und Weise zu arbeiten, die wir mit Karl etabliert haben, läuft der kreative Fluss unvermindert weiter.

Es wird dieser Tage viel über die Zukunft des Luxusmarktes gesprochen. Einige Stimmen haben immer wieder gesagt, es wird schwer für Karls Nachfolger, sein Erbe erfolgreich anzutreten, um das hohe Niveau zu halten.
Ich kann dies natürlich nicht für die Marken Fendi oder Chanel beurteilen. Ich denke jedoch, dass durch die Art und Weise wie Karl gearbeitet und seine Teams aufgestellt hat und durch die Personen die Karl an Bord gebracht hat, er eine Grundlage dafür gelegt hat, dass die Kollektionsentwicklung mit voller kreativer Kraft weiterlaufen kann. Bei uns ist dies der Fall. Karl hat mit Hun Kim bereits vor einigen Jahren einen Designdirektor an Bord gebracht, dem er voll vertraut hat und der mit einem Produktteam von über 100 Mitarbeitern die Kollektionen in der Weise entwickelt, wie er dies die letzten Jahre zusammen mit Karl getan hat.

Sie haben 2019 Sebastien Jondeau als Menswear-Botschafter engagiert und eine Capsule Collection mit Carine Roitfeld gelauncht. Welchen Effekt hatten die Kollaborationen bis jetzt auf das Gesamtgeschäft? Planen Sie mehr solcher Projekte?
Mit beiden von Ihnen genannten Protagonisten haben wir bereits in den letzten Jahren auf unterschiedlichste Art und Weise zusammengearbeitet. Carine war eine langjährige Wegbegleiterin von Karl, kennt seine Ästhetik aus dem Effeff und verkörpert diese auch. Wir haben Carine nun zu einem festen Bestandteil unseres Kreativteams gemacht. Ähnlich verhält es sich mit Sebastien, der bereits seit Jahren das Gesicht unserer Menswear ist. Beide Capsule Collections sind sehr gut angekommen. Für uns ist jedoch die Tatsache, dass beide Protagonisten als Teil unserer Karl Lagerfeld Familie einen integralen Bestandteil des gesamten kreativen Prozesses darstellen, noch wichtiger als einzelne Capsules.

Welche Rolle wird Carine Roitfeld weiterhin für die Marke spielen?
Carine ist als Style Advisor eine wichtige Ideengeberin für unser Kreativteam. Sie arbeitet sehr eng mit unserem Design Direktor Hun Kim zusammen und füttert auch unser Team regelmäßig mit Ideen für diverse Kreativkooperationen.

Mit Nicolette Veendrop als neue Sales Managerin wollen Sie auch im Wholesale-Geschäft weiter vorankommen.
Wir konnten unser Wholesale-Geschäft im letzten Jahr sehr stark ausbauen. In den letzten drei Jahren ist unser Wholesale-Kanal durchschnittlich um 40 Prozent jedes Jahr gewachsen. Wir haben uns sehr stark auf den Ausbau des Geschäfts mit Online-Händlern fokussiert, weil wir eine sehr digital-affine Zielgruppe mit unseren Stories ansprechen. Darüber hinaus spielt die Entwicklung des Franchise-Geschäfts in Europa wie in Asien und das Geschäft mit ausgewählten Department Stores eine wichtige Rolle. Nicolette und ihr Team haben alle dieser drei strategischen Säulen gleichermaßen stark weiterentwickelt.

Was bedeutet das speziell für den DACH-Markt?
Wir haben ein substanzielles Geschäft in DACH, mit einem überproportionalen Anteil am Online-Geschäft. Das heißt, unsere Präsenz im stationären Handel entspricht bei weitem nicht der Konsumenten Nachfrage. Da gibt es sicherlich noch viel Potenzial.

2019 haben Sie mit der Marke außerdem begonnen stark ins Beauty-Geschäft zu investieren und sind dabei eine Kooperation mit L’Oréal eingegangen. Zahlen sich die Anstrengungen schon aus?
L‘Oréal ist vor etwas mehr als einem Jahr auf uns zugekommen und hat angeregt, die DNA der zwei Pariser Ikonen L‘Oréal Paris und Karl in einer Kollaboration zusammenzubringen. Karl fand diese Idee sehr gut und wir haben dies meines Erachtens zusammen mit dem L‘Oréal Team sehr gut umgesetzt. Die Resultate sind ebenso sehr erfreulich und ich könnte mir durchaus vorstellen, das Beautygeschäft über einmalige Kollaborationen hinaus strategisch aufzubauen.

Welchen Aktivitäten planen Sie in der DACH-Region für 2019?
Wir haben eine Reihe von Initiativen geplant, die sich natürlich um die Welt von Karl drehen und vor allem auch darauf ausgerichtet sind unseren Konsumenten aktiv mit einzubinden und Teil der Geschichte zu machen. Ohne bereits zu viel zu verraten, kann ich sagen, dass die Musikszene, mit der Karl ja sehr verbunden war, eine wichtige Rolle spielt.

Wird die Zusammenarbeit mit Puma fortgesetzt?
Die Zusammenarbeit mit Puma war zunächst als einmalige Initiative geplant. Nachdem die Kooperation sehr erfolgreich war, haben wir mit Puma eine weitere Kollektion umgesetzt, obwohl dies nicht die ursprüngliche Intention war. Doch eine weitere Kollektion ist nicht geplant.

Weitere Informationen unter karl.com.