City Guide Paris

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Voyage d´Amour - Sans Retour

Ausgabe 01/2008

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Text Ilona Marx Fotos Andi Zimmermann Illustration Roman Klonek

Es ist verdammt schwierig, Paris zu beschreiben, ohne sich in Plattitüden zu verlieren. Gibt es eine einzige Stadt auf der Welt, die mehr romantische Fantasien weckt? Wohl kaum. Paris gilt als Katalysator oder – je nach Stadium, in welchem man sich befindet – als Frischzellenkur für die Liebe. Wenn auch die Unterscheidung mitunter schwer fällt, ob das Herz angesichts der hiesigen architektonischen Pracht und Schönheit höher schlägt, oder die Aufregung doch eher der mitgereisten Begleitung gilt. Doch diese gefühlsduseligen Vorstellungen sind ein Privileg der Touristen, die Pariser selbst sind in den seltensten Fällen in blinder Liebe für ihre Stadt entflammt.

Nicht erst die Vorstadt-Krawalle haben gezeigt, dass das Leben in der Seinestadt auch Schattenseiten kennt, auch die Entwicklungen der Mietpreise und das tägliche Verkehrschaos werden von den fast zwölf Mio. Einwohnern immer wieder beklagt. Ebenso allgegenwärtig: die Ausländerproblematik und das Thema Arbeitslosigkeit. Doch selbst das Bild des obdachlosen Clochards, der unter einer Seinebrücke schläft, wird von den Besuchern gern romantisch verklärt. Um Paris wirklich zu begreifen, tut man also gut daran, sich ein wenig Nüchternheit zu bewahren und an die Fakten zu halten.

Als da wären zum Beispiel die geschichtlichen: Gründung der Universität im 13. Jahrhundert durch König Phillippe-Auguste, Umbau des Louvre von François I. im Jahre 1546. 1661 hält dann der verschwenderische Nachfolger Hof: Louis XIV. und sein berühmtes Versailles. Nicht weniger prunkvoll die kaiserlichen Machtsymbole, die Napoleon der Erste in der Stadtlandschaft hinterließ: der Arc de Triomphe, der Arc du Carrousel und die Säule auf der Place Vendôme. An städtebaulichem Ehrgeiz nur noch übertroffen von Napoleon III. und seinem Ingenieur, Baron Haussmann: Sie sprengten die mittelalterlichen Strukturen der Stadt, durchzogen sie mit Prachtboulevards, bauten Schulen, Kirchen und Synagogen und verhalfen Paris so zu seinem heutigen, unverwechselbaren Anlitz.

Und auch in jüngerer Vergangenheit wurden große architektonische Visionen Wirklichkeit: 1977 unterstützte George Pompidou den Bau ein riesigen High-Tech-Kunstzentrums, während sich Valéry Giscard d’Estaing für die Umwandlung des Gare d’Orsay in einen Kunsttempel einsetzte. Auch Mitterand hinterließ ein markantes Erbe: Opera Bastille, Louvre Pyramide, die Bibliothèque Nationale und La Defense gehören zum Vermächtnis seiner Regierungszeit. Zwei weitere Großprojekte sind zwar auf den ersten Blick weniger imposant, dafür für die Einwohner von Paris aber umso wertvoller. Mit der Eröffnung des Parc André Citroën und Parc de Bercy atmete die verkehrsreiche Millionenstadt buchstäblich auf.

Dass zwischen all diesen ehrgeizigen Projekten und Aufmerksamkeit heischenden Vorzeigeobjekten noch Platz für Kreativität und alternative Ansätze bleibt, davon wollten sich Ilona Marx und der Fotograf Andi Zimmermann für den j’n’c Cityreport überzeugen. Ihre Suche nach Inspiration führte sie von der schon etablierten Modemeile Etienne Marcel ins Judenviertel Marais, von dort aus weiter in die Quartiers rund um die Bastille, die Place de la République und die Rue Oberkampf. Als ebenso ergiebig erwiesen sich der Montmartre wie auch die weniger zentral gelegenen Straßen rund um den Canal St. Martin und in Belleville. Leider sprengte die Fülle der extravaganten Boutiquen, der originellen Cafés und vorzüglichen Restaurants bei weitem den Rahmen unserer Reihe. Das Kondensat, das auf den nächsten Seiten zusammengetragen wurde, kann also nur als Vorgeschmack dessen betrachtet werden, was es beim nächsten Parisbesuch selbst zu entdecken gilt.

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