City Guide Marrakesch

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Einmal Sehnsucht und zurück

Ausgabe 01/2013

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Text Ilona Marx Photos Adriaan Louw Illustration Roman Klonek

Marrakesch ist Sehnsuchtsort, gerade bei der Avantgarde. Im Angesicht von Globalisierung und Massenware wächst das Verlangen nach handgearbeiteten, authentischen Produkten. Eine romantische Vorstellung, zugegeben, denn auch in den berühmten Souks, den überdachten Märkten von Marrakesch, ist mitnichten alles authentisch, sondern vieles Touristennepp. Man muss also schon ein bisschen stöbern, um herauszufinden, wo es sie gibt: die wirklich antiken, handbestickten Lederwaren, die legendären wertvollen Teppiche, die schönen geschmiedeten Lampen und die Babouches, die traditionell hergestellten Lederschläppchen.

Ob Farben oder Materialien, Textilien, Mode oder Interior Design – überall trifft traditionelles nordafrikanisches Kunsthandwerk auf westlichen Einfluss. Inspiration pur für die neu erwachte Boheme, die, auf den Spuren der Hippiebewegung wandelnd, Marrakesch für sich wiederentdeckt. Waren es damals, in den 1960er und 70er Jahren, das ausschweifende Partyleben, die üppig ausgestatteten Orient-Hotels und der starke Kontrast zwischen dem (noch weithin bezahlbaren) Luxus und der Einfachheit des Lebens der Einheimischen, die den Reiz der ‚roten Stadt‘ ausmachten, steht Marrakesch heute vor allem für das eine: größtmögliche Exotik in kürzester Flugzeit. Wie einst Yves Saint Laurent, der den berühmten Majorelle-Garten kaufte und vor dem Verfall rettete, kommen noch immer viele Westler, erwerben alte Stadthäuser, sogenannte Riads, und richten sie her – ein Engagement, das die vergleichsweise liberale Regierung des Königreichs Marokko unterstützt.

Keine Frage, auch die gemeinen Touristen haben längst Lunte gerochen. Nichtsdestotrotz scheint im Inneren der Stadtmauern die Zeit stillzustehen, besonders in der nördlichen Medina: Händler, die über ihren verstaubten Auslagen dahindämmern, Handwerker, die ihrer Arbeit in kleinen, zur Straße hin geöffneten Werkstätten seit Generationen auf dieselbe Art und Weise nachgehen, Eselskarren, traditionell gekleidete Männer und Frauen – die Zeitreisen, die innerhalb Marrakeschs möglich sind, rauben einem schier den Atem.

Hier das quirlige Straßenleben der Altstadt, dort die Neustadt Guéliz, wo sich Fashion-Shops, schicke Restaurants und Galerien tummeln, die jeder europäischen Metropole gut zu Gesicht stehen würden. Dazu die Hektik des überaus lebendigen Verkehrs, abgelöst von der Ruhe und Friedlichkeit, die das Innere der oasenartigen Riads und Höfe prägt. Das Feilschen der Händler um jeden Dirham auf der einen und die große Gastfreundschaft auf der anderen Seite: J’N’C-Chefredakteurin Ilona Marx und der Kapstädter Fotograf Adriaan Louw staunten nicht schlecht darüber, welch abenteuerlich kontrastreiche Szenen sich vor ihren Augen abspielten – und genossen die nahezu überschäumende Freundlichkeit der marokkanischen Gastwirte genauso wie die köstliche einheimische Küche.

Vielen Dank an Sonja Ludwig vom Marokkanischen Fremdenverkehrsamt, Royal Air Maroc und Andrea Kolb für ihre großzügige Unterstützung.



PLUS CHECK THESE OUT

La Mamounia Der Luxus-Klassiker von 1922. ­Lieblingsadresse von de Gaulle, Churchill und Roosevelt. www.mamounia.com

Jardin Majorelle Nicht verpassen: Eine wunderbare Oase und der Geburtsort des berühmten Bleu Majorelle. www.jardinmajorelle.com

Fenyadi Der Interior-Design-Spezialist, ­allerdings im industriegebiet gelegen. www.fenyadi.com

Dar Cherifa Tolles, aber etwas verstecktes Literaturcafé. Die Suche lohnt sich! T +212 44 426463

Café Arabe Große Restaurant-Bar in der ­Medina. Riesige Sofas auf der Dachterrasse laden zum Absacker ein. www.cafearabe.com

Grand Café de la Poste Beliebter Treffpunkt in der Neustadt, der die Kolonialzeit wieder aufleben lässt. www.grandcafedelaposte.com

Palais Namaskar Ein Hotel-Palast wie aus 1001 Nacht. www.palaisnamaskar.com

Dar Zellij Eines der besten Restaurants der Stadt. Im H of des Hauses aus dem 17. Jahrhundert speist man unter Orangenbäumen. www.darzellij.com

Lalla Schöne Taschen aus der Hand der ­Fashionista Laetitia Trouillet. www.lalla.fr

 

 

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