City Guide Bangkok

E-Mail Druckbutton anzeigen? PDF

Teenage Love

Ausgabe 03/2008

2008-03_re_illu_bangkok

Text Ilona Marx Fotos Jonas Becker Illustration Roman Klonek

Meine Güte, ist die noch jung! Ein Ausruf, der ausnahmsweise nicht einem der Go-go-Girls im Rotlichtbezirk gilt, sondern ihrer Heimatstadt Bangkok. Gerade mal 225 Lenze zählt die 7,5-Millionen-Metropole Bangkok. Kein Wunder also, dass sie in der Vergangenheit mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte wie ein pubertierender Teenager: mit rasantem Wachstum beispielsweise, das in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Stadt einen schon irrwitzig zu nennenden Bauboom auslöste. Aber auch mit finanziellen Schwierigkeiten aufgrund von Unvernunft und Übermut, die 1997 zum vorübergehenden wirtschaftlichen Zusammenbruch führten.

Inzwischen hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Das Verkehrschaos, das der Wachstumsschub mit sich brachte, konnte durch den Bau der Metro und des überirdischen Skytrains erheblich eingedämmt werden. Und angesichts der Hochhausskelette, die wie Mahnmale des Crashs allerorts in die Höhe ragen, sind die Spekulationslust und Risikobereitschaft etwas zurückgegangen. Tatsache ist, dass Bangkok erwachsener geworden ist. Dies verdankt die Stadt nicht zuletzt dem Einfluss einer Vielzahl von Akademikern, die nach Auslandsstudien voller Elan und reich an kosmopolitischer Erfahrung in ihre Heimat zurückkehrten. Das Image einer unaufgeräumten Dritte-Welt-Stadt hat Bangkok dementsprechend längst hinter sich gelassen. Multinationale Konzerne beurteilen den Markt als stabil und investieren in zunehmendem Maße in die lokale Wirtschaft. Was zur Folge hat, dass die herangereifte Metropole in einem Atemzug mit Hongkong und Singapur genannt wird.

Für den Neuankömmling scheint die Stadt endlos. Es gibt viele verschiedene Zentren und die Entfernungen sind beträchtlich. Die beste Orientierungshilfe bietet da der Chao Phraya River, der die Stadt einmal quer durchzieht und eine wertvolle, weil luftige und staufreie Verkehrsader darstellt. Bei einer Fahrt mit dem Wassertaxi können Sehenswürdigkeiten wie der Königspalast und einige prachtvolle Tempel wie beispielsweise der Wat Mahathat oder der Wat Arun in Augenschein genommen werden, und auch das Touristenviertel Banglamphu inklusive der legendären Travellermeile Khao San Road ist vom Fluss aus gut zu erreichen. Unweit davon: Chinatown und das quirlige indische Viertel, jene Quartiere, in denen Geschäft und Chaos sich nicht ausschließen, sondern vielmehr gegenseitig zu bedingen scheinen.

Das neue Bangkok hingegen lässt sich am besten mit dem Skytrain erschließen. Ausgehend vom Saphan Taxin Pier, wo die Wassertaxen anlegen, führt die klimatisierte und hocheffiziente Bahn ins Zentrum der Wolkenkratzer. Am Siam Square eröffnet sich ein Universum aus riesigen Shoppingzentren, die in Sachen Größe und Exklusivität noch um den Titel streiten. World Trade Center, Gaysorn Plaza und Siam Paragon rangieren unter den Top Three, doch auch sie, soviel ist sicher, werden schon bald von neuen Superlativen auf die Plätze verwiesen werden. Ein ähnlicher Kampf herrscht an der Silom Road, dem Botschaftsviertel, wo viele Farangs – so die ‚Langnasen‘ im Thai-Slang – wohnen. Nur sind es hier die Luxushotels, die sich gegenseitig den Rang ablaufen. Aufgrund der großen Konkurrenz sind die Preise verhältnismäßig erschwinglich. So kostet beispielsweise eine 130 Quadratmeter große Penthousesuite ‚nur‘ 800 US-Dollar pro Nacht.

Dabei ist der Rückzug in derartige Luxusoasen nicht die einzige Möglichkeit, der Hektik der Straße für eine Weile zu entfliehen. Unzählige Spas und Massagesalons bieten den vom tropischen Klima und der enormen Luftverschmutzung gestressten Stadtbewohnern und -besuchern schon für wenige Baht Ruhe und Entspannung.

Doch von den Annehmlichkeiten, die einem in der dienstleistungsorientierten Stadt das Leben versüßen, einmal abgesehen – die Freundlichkeit der Hauptstädter, ihre Kultur und ihre Küche sind Grund genug, sich stehenden Fußes ins junge, aufstrebende Bangkok zu verlieben. So geschehen beim Streifzug von Ilona Marx, die mit dem in Bangkok lebenden Fotografen Jonas Becker die Tigercity durchquerte, um für j’n’c die schönsten Märkte, die besten Garküchen und die heißesten Newcomer der Modeszene zusammenzustellen.

Zurück ... Zuletzt aktualisiert am d.m.y  

Aktuelle
Ausgabe

Ausgabe kaufenAbonnierenMediadaten