City Guide Mailand

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Luxus auf Lombardisch

Ausgabe 01/2011

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Text Ilona Marx Fotos Andy Rumball Illustration Roman Klonek

Es soll ja Menschen geben, die sich auf den ersten Blick in Mailand verlieben. Die ihr Herz schon beim Antrittsbesuch an die norditalienische Metropole verlieren, trotz des Verkehrs auf den Straßen und der abgasgeschwängerten Luft. Doch eigentlich ist Mailand eher eine Stadt, die im Verborgenen blüht – und die allem voran von ihren Gegensätzen lebt. Denn hier trifft kühles Kommerzdenken auf südliches Temperament.

Im Schatten moderner Geschäftsviertel schlummern in den Gassen kleine, uralte Handwerksbetriebe. Die schicken Schaufensterdekorationen der Designerläden bilden einen spannenden Kontrast zu den blumengeschmückten Balkonen im Romeo-und-Julia-Stil. Mailand gilt landläufig als die geschäftstüchtigste Stadt Italiens. Mit ihrer energetischen Ausstrahlung passt sie so gar nicht ins Bild des Dolce far niente, des süßen Müßiggangs. Big Business ist eher die Parole – nicht umsonst tummeln sich alle internationalen Designerbrands hier. Nähme man der Modewelt die Via Montenapoleone, so käme dies einem herben Verlust gleich.

Doch, nicht vergessen, wir befinden uns in Italien! Und hier gehört Lebensfreude bekanntlich zum guten Ton: Mit seinen exklusiven Restaurants und international bekannten Köchen, den kleinen urigen Trattorien, den von Leckereien überbordenden Delikatessgeschäften und Patisserien, aus denen süße Düfte steigen, ist Mailand ein Sündenbabel für Feinschmecker. Tag für Tag mit dieser kulinarischen Versuchung zu leben und trotzdem weiterhin in den Designerfummel zu passen – für die stilbewussten Mailänder wohl eine der größten Herausforderungen. Doch zum Glück gibt es ja auch solche Genüsse, die nicht auf die Hüften schlagen: die der Kunst und Kultur beispielsweise. Das legendäre Opernhaus Teatro alla Scala ist Dreh- und Angelpunkt der italienischen Musikgeschichte, während das Piccolo Teatro untrennbar mit dem Namen der Regielegende Giorgio Strehler verbunden bleibt.

Selbstverständlich ist nicht alles eitel Sonnenschein in der lombardischen Hauptstadt, und das gilt nicht nur mit Blick auf den berüchtigten Mailänder Nebel: Wie so viele andere Metropolen kämpft auch diese norditalienische gegen Arbeitslosigkeit, Korruption und Wohnungslosigkeit an. Ein fortdauerndes Ärgernis für die geschäftigen Einwohner: der Wettstreit mit der ewigen Konkurrentin Roma, der vieles in den Schoß zu fallen scheint, während man sich in Mailand, zumindest gefühlt, für jede Zuwendung abrackern muss. Doch vielleicht trägt ja gerade dieser Kampfgeist zur Attraktivität der schroffen Schönen bei. Und wer nach einem Besuch des marmornen Doms, beim Anblick der blendendweißen Zuckerbäckerarchitektur und Ausblick auf das Alpenpanorama, noch immer keine Gefühle entwickelt, der hat wohl eh ein Herz aus Stein.

Um J’N’C-Chefredakteurin Ilona Marx und den Berliner Fotografen Andy Rumball war es bereits vor ihrer Dom-Besteigung geschehen. Mit vor Begeisterung geröteten Wangen genossen sie die zart wärmende Novembersonne – und trotzten den norditalienischen Herbststürmen. Von Beginn an zum Scheitern verurteilt hingegen der Versuch, eine übermäßige Belastung von Konto und Waage zu verhindern. Aber was tut man nicht alles für seine Leser. Hier die 20 J’N’C-Favoriten in Sachen Shoppen, Schlemmen und Schlafen – con piacere!

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