City Guide Florenz

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Florenz

Ausgabe 01/2014

firenze

Für die meisten Besucher ist Florenz in erster Linie die Wiege der Renaissance. Man schwelgt in Kunstgenuss von Weltrang, flaniert durch die Straßen, die sich seit jener prägenden Epoche kaum verändert haben, lauscht in die engen Gassen hinein, die ­tausend Geschichten zu erzählen haben.

Doch auch für die Modewelt nimmt die malerische Stadt am Arno eine Sonderstellung ein: Guccio Gucci und Roberto Cavalli kamen hier zur Welt, und auch Emilio Pucci lebte und arbeitete in Florenz. Noch heute zeugt die Via de’ Tornabuoni mit ihren eleganten Geschäften von der großen Modevergangenheit und -gegenwart der Stadt und weist eine erstaunliche Dichte an hochkarätigen Flagships auf – und das, wo die toskanische Hauptstadt nicht einmal 400.000 Einwohner zählt. Neben Gucci und Salvatore Ferragamo, die Florenz beide um ein Museum bereichert haben – schließlich ist Mode hier Kulturgut! –, haben sich Prada, Miu Miu, Lanvin, Chanel, Burberry, Tod’s und Emporio Armani auf der Prachtmeile niedergelassen.

Bekanntlich blüht dort, wo große Namen omnipräsent sind, immer auch das Geschäft mit hochwertiger Vintage-Mode. Secondhand-Läden, die erstklassige Schätzchen aus den letzten 50 Jahren horten, finden sich dementsprechend im gesamten Stadtgebiet. Allerdings weiß man hier, was man hat: Auch eine gebrauchte Gucci- oder Prada-Tasche kann um die 700 Euro kosten – Schätzchen also ja. Schnäppchen? Eher nicht.

Doch nicht nur Design hat in Florenz Tradition, auch die Produktion blickt auf ein reiches Erbe. Tatsächlich schufen erst die kunstfertigen Meister in den Manufakturen die Grundlage für die Ansiedelung der großen Marken. Bereits im Mittelalter gab es links und rechts des Arno so viele Woll- und Tuchmacher, dass man von einer Modeindustrie sprechen konnte. Eine Tradition, die sich bis heute fortsetzt: Noch immer finden sich in Florenz zahlreiche, vor allem lederverarbeitende Betriebe. Mit der Scuola del Cuoio beherbergt die Stadt zudem eine Schule, an der eine internationale Schülerschar seit 1950 in der Kunst der Lederverarbeitung unterwiesen wird. Modedesign und -management lehrt man an der Polimoda, einer privaten Akademie, die seit 2007 von der progressiven Direktorin Linda Loppa geführt wird.

Die internationale Modemesse Pitti Immagine lockt zum Saisonauftakt zweimal jährlich das Who’s who der Modebranche, vor allem die Welt der HAKA, aber auch die Sportswear Richtung Toskana. Kein Wunder also, dass auch der individuelle Florentiner Einzelhandel – gemessen an deutschen Verhältnissen erstaunlich oft familiengeführt – guten Zuspruch erhält und in Koexistenz mit den High-End-Labels floriert.

Dass es abseits der Piazza del Duomo, der Ponte Vecchio, der Uffizien oder der Piazza della ­Signoria noch ein anderes, junges, alternatives Florenz gibt, bleibt vielen Besuchern jedoch verborgen. Um diese Seite der Stadt zu entdecken, müssen sie nämlich die Brücke über den Arno überqueren und ins Gassengewirr des Viertels Oltrarno eintauchen. Genau hier entdeckten J’N’C-Chefredakteurin Ilona Marx und der Düsseldorfer Fotograf Bernd Wichmann Stores mit besonders inspirierenden Fashion-Sortimenten und außergewöhnlichen Einrichtungsideen – das moderne Florenz eben, das sich nicht auf seinen alten Polstern ausruht, sondern umtriebig nach neuen Ansätzen forscht.

Auch wenn die Renaissance ein halbes Jahrtausend zurückliegt, scheint Florenz noch heute über starke reformerische Kräfte zu verfügen und das Potenzial zu haben, sich immer wieder neu zu erfinden – ohne dass Traditionen ganz verschwinden, denn auch sie finden hier ihr Publikum. So fiel es uns nicht schwer, eine Mischung aus klassisch Bewährtem und erfrischend Unkonventionellem für Sie zusammenzustellen.

 

 

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