City Guide Buenos Aires

E-Mail Druckbutton anzeigen? PDF

Buenos Aires

Issue 02/2015

AufmacherBuenosAires

Text Ilona Marx Fotos Bernd Wichmann

Facettenreichtum, wohin man blickt: Argentinien ist mit annähernd 2,8 Millionen Quadratkilometern Fläche der achtgrößte Staat der Erde – und so viele Landschaften und Klimazonen das südamerikanische Land besitzt, so viele unterschiedliche Viertel und Nachbarschaften hat seine Hauptstadt Buenos Aires.

International ist Argentinien für seinen Wein bekannt, seine Steaks, den Tango – und zuletzt machte das Land unter anderem auch Schlagzeilen wegen der Nisman-Affäre um Staatpräsidentin Fernández de Kirchner. In Sachen Mode dringt eher wenig bis zu uns nach Europa. Zu Unrecht, denn die Argentinier sind modeaffin. Wer durch das hippe Viertel Palermo Soho streift – benannt nach dem berühmten New Yorker Vorbild –, wird überrascht feststellen: Hier gibt es unzählige Shops, deren Interieurs oft großzügig bemessen und zum Teil fantastisch gestaltet sind. In einem großen Land wie Argentinien geht man mit Platz eben einfach anders um, und das schlägt sich nicht nur in Quadratmetern, sondern auch in Qualität nieder. In Buenos Aires ist Ladenbau ganz offensichtlich eine Lieblingsdisziplin der Kreativen.

Was man hingegen vergebens sucht: europäische oder amerikanische Vertikale. Stattdessen prägen das Stadtbild vor allem Monobrandstores von einheimischen Designern nebst einigen Ketten von argentinischen Brands. Ein Eldorado für jeden vom Fußgängerzoneneinheitsbrei gelangweilten Shopper. 
Der Grund für diese Sonderstellung: Argentiniens Politiker haben ein Auge auf den heimischen Markt und schützen per Gesetz argentinische Companys vor der ausländischen Konkurrenz und ihren Dumpingpreisen. Das hat zur Folge, dass die hiesigen Modedesigner nicht mit H&M und Zara Schritt halten müssen und sich in mancher Beziehung viel besser entwickeln können. Dass dabei ausgerechnet die Wirtschaftskrise zum Motor manch eines Erfolgs werden würde – wer hätte das gedacht. Fest steht: Für die Kreativwirtschaft entpuppte sich die Krise nicht selten als Chance.Viele ihrer heute erfolgreichen Protagonisten haben ihr Business Anfang des Jahrtausends gestartet, als die Mieten und Grundstückspreise in Buenos Aires im Keller waren und sich der eine oder andere aufgrund eines Jobverlustes ohnehin umorientieren musste.

Jedoch: Es gibt wie so oft auch eine Kehrseite der Medaille: Da die Einfuhr ausländischer Produkte stark reglementiert ist, haben argentinische Designer immense Probleme, an günstige und hochwertige Stoffe und Zutaten zu kommen. Meist müssen sie auf das zurückgreifen, was im eigenen Land produziert wird. Das erschwert die Wettbewerbsfähigkeit. Hinzu kommt ein instabiler und schwacher Peso und ein rasche Inflation, die zu rasanter Verteuerung der ausgeführten Ware führt, sogar schon vom Zeitpunkt der Order bis zur Lieferung. Wie die in Buenos Aires ansässigen Designer mit diesen Schwierigkeiten fertig werden, berichten Cora Groppo, Martín Churba von Tramando und Camila Camila Milessi and Emiliano Blanco von Kostüm in den nachfolgenden Interviews. Doch um noch mal auf die Stärken dieser ganz besonderen Metropole zurückzukommen: Tagelang könnte man sich treiben lassen, in Palermo, dem Hauptschauplatz der Mode- und Restaurantszene. Könnte die exklusiven Boutiquen im Stadtteil Recoleta durchforsten, Inspirationen sammeln auf dem Antiquitätenmarkt in San Telmo, das außerdem auch fantastische Vintage-Shops beherbergt. Und eines noch: Steak und Wein sollte man tunlichst nicht verschmähen – die besten Tipps, um in der rastlosen Stadt ein wenig zu rasten, gibt es ab Seite 42. 

 

Zurück ... Zuletzt aktualisiert am d.m.y  

Aktuelle
Ausgabe

Ausgabe kaufenAbonnierenMediadaten